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Jack Wolfskin und seine pflichtbewussten Markenrechtler

Geschrieben von: Stephanie K.   
26. Oktober 2009
Kennen Sie die Marke Jack Wolfskin? Bestimmt! Das ist der Outdoor-Gigant mit der Tatze als Markenzeichen. Nun eine andere Frage: Kennen Sie Dawanda? Sofern Sie keine leidenschaftliche Bastlerin sind, höchstwahrscheinlich nicht. Dawanda ist ein Online-Portal, auf dem Hobbyschneiderinnen ihre eigenen Basteleien verkaufen können. Es gibt Ketten, Ohrringe, Taschen, Kleider, Röcke und noch vieles mehr. Jedes einzelne Produkt zeichnet sich dadurch aus, dass sie individuell sind und mit viel Liebe per Hand hergestellt wurden.

Nun fragen Sie sich vielleicht, was die beiden Dinge gemeinsam haben. Nun ganz einfach: Jack Wolfskin fühlt sich bedroht von den Hobby-Kreativen! -Heute kann ich relativeren, sie fühlten sich bedroht, dazu aber gleich.

Wie gesagt, Jack Wolfskins Markenzeichen ist die Tatze - und unglücklicherweise ist die Tatze, auch wenn in einer abgewandelten Form, das Markenzeichen einiger Dawanda-Kreativen. Und das findet Jack Wolfskin als abmahnwürdig! So gut wie alles, das mit einer Tatze, oder dieser ähnelt, verkauft wird, sieht das Unternehmen als Verletzung seiner Markenrechte. Davon kann die Zeitung "taz" schon ein Lied singen, denn diesen verbot der Konzern, dass sie ihre "taz"-Tatze auf Klamotten drucken darf. Nun waren eben die Dawanda-Nutzer dran.

Im Oktober trafen diverse Abmahnungen per Einwurfschreiben mit Kostennote bei den Dawandas ein. Die errechneten Streitwerte lagen dabei zwischen 20.000 und 25.000 Euro, selbstverständlich kamen noch Gebühren hinzu. Laut den Informationen, die im Internet von den Betroffenen veröffentlicht wurden, wie z.B. auf Spiegel Online, stand darin ganz trocken, dass Jack Wolfskin, wie vermutlich bekannt, führender Hersteller sei und in der Bundesrepublik die Marktführerschaft beanspruchen. Die Tatze sei in unter anderem in Deutschland markenrechtlich geschützt und genau gegen dies hätten die Bastler mit ihrer Arbeit vertstoßen.

Nun gut, ich verschone Sie mit weiteren Ausführungen - aber ich denke, Sie können sich vorstellen, zu welchem Aufschrei diese Wolfskin-Aktion in unserem schnellen Web 2.0 führte. Die große Frage war, wie kann man individuelle Basteleien mit Outdoor-Klamotten verwechseln? Egal wo man sich im Netz befand, überall ging es nur um die Überreaktion von Jack Wolfskin, der trotzig auf sein Recht pochte.

Wie ich bereits angedeutet haben, zum Schluss lenkte der Gigant doch noch ein. Es war ihm sogar richtig peinlich, dass er seine übereifrigen Anwälte nicht im Griff hatte. Sie werden sich jedoch dieses Beispiel sehr zu Herzen nehmen um Ihre rechtlichen Aktivitäten im Internet zu überdenken.

Zum Schluß scheint es tatsächlich so, dass Davidgegen Goliat gewann - dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass dieser Kampf vor allem dank der vielen Davids des Internets gewonnen wurde.